Vertrauen in deine eigene Intuition
Manchmal ist es um uns herum so „laut“, dass wir unsere innere Stimme nicht mehr hören können oder an ihr zu zweifeln beginnen.
Kennst du das Gefühl, wenn du dir denkst: „Ach, ich hab’s doch gewusst…! Hätte ich nur doch auf mein Bauchgefühl gehört.“
Vielleicht warst du auch schon öfter in Situationen, in denen sich eine innere Stimme, ein Gedanke oder das berühmte Bauchgefühl bei dir gemeldet hat und du dann trotzdem deinem Verstand gefolgt bist und anders gehandelt hast.
Manchmal ist es um uns herum so „laut“ oder es gibt so viele unterschiedliche Meinungen, die auf uns einprasseln, dass wir unsere innere Stimme, unsere Intuition nicht mehr hören können oder an ihr zu zweifeln beginnen.
Doch was ist Intuition überhaupt?
Intuition kommt aus dem Lateinischen „intueri“ und bedeutet soviel wie „ansehen“, „erkennen“, „betrachten“. Wobei es keine einheitliche Definition von Intuition gibt, sondern viele verschiedene Theorien dazu.
Dr. Regina Obermayr-Breitfuß, Psychologin und Psychotherapeutin aus Linz, die bereits seit über 30 Jahren zum Thema Intuition forscht, definiert Intuition als ein geistiges Wissen, das auf ganz natürliche Weise im Menschen vorhanden ist und zu dem der Mensch, wenn er möchte, einen Zugang findet. Für sie ist die Intuition kein psychisches Wissen, sondern ein geistiges Wissen und bereits im Babyalter in uns vorhanden.
Woher kommt nun dieses Wissen unter anderem?
Es erreichen etwa 11 Millionen Sinneseindrücke pro Sekunde unser Gehirn. Nur 40(!) davon kann unser Bewusstsein verarbeiten. Das entspricht 0,00045%.
Der Rest dieser Informationen geht allerdings nicht verloren. Er wird an unsere intuitive Intelligenz umgeleitet, welche die Gesamtheit dieser Informationen im Unterbewusstsein berücksichtigt und dadurch Hochgeschwindigkeitsprozesse ermöglicht.
Dieser große Unterschied in der Menge an bewusst verarbeiteten und unbewusst gespeicherten Informationen ist auch der Grund, weshalb eine Entscheidung unseres Verstandes nicht immer der unserer Intuition entspricht.
Daniel Kahneman, ein israelisch-amerikanischer Psychologe und Nobelpreisträger erklärt dieses Phänomen in seinem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“. Ihm zufolge besitzen wir zwei verschiedene Denksysteme, ein unbewusstes (Intuition) und ein bewusstes (Verstand).
Unsere Intuition läuft automatisch ab, kostet keine Mühe, und arbeitet extrem schnell. Unser analytischer Verstand hingegen funktioniert langsamer und der Prozess ist im Vergleich dazu „anstrengend“.
Der deutsche Psychologe Gert Gigerenzer stellte in Untersuchungen Folgendes fest: Da unsere Intuition auf unseren Erfahrungen beruht, ist diese somit auch zu einem gewissen Grad voreingenommen. Der Schluss, den er daraus zog, war:
„Wenn Sie auf einem Gebiet wenig Erfahrung haben, dann sollte Sie sich nicht auf die Intuition verlassen. Wenn Sie viel Wissen haben, dann schon.“
Im Vergleich dazu sieht Dr. Regina Obermayr-Breitfuß diese Aussage kritisch: „Intuition versagt nie. Große Erfindungen sind oft über intuitive Träume gekommen, weil wir in der Nacht auch mit dem Geistigen verbunden sind. Und wenn uns die Intuition etwas sagt, dann liegt sie nie falsch.“ Sie bezeichnet die Intuition als eine innere Spürnase oder auch als angeborenes Periskop.
Sollten wir also auf unsere Intuition hören? Meine persönliche Antwort ist: Ja. Denn wir nehmen weitaus mehr Informationen unbewusst auf als wir mit dem Verstand erfassen können.
Nun aber zur wichtigsten Frage:
Wie kannst du deine Intuition stärken?
Im ersten Schritt geht es darum, dass du dir bewusst wirst, wie und wann du deine Intuition wahrnimmst. Dazu können dir folgende Fragen helfen:
- Wie nehme ich meine Intuition wahr?
- Wann habe ich zum letzten Mal meine Intuition wahrgenommen?
- Bin ich ihr gefolgt oder habe ich mich für einen anderen Weg entschieden?
- Wie habe ich mich danach gefühlt als ich meiner Intuition nicht gefolgt bin?
- Wie habe ich mich gefühlt als ich meiner Intuition gefolgt bin?
„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Die wesentlichen Dinge sind für das Auge unsichtbar.“
– Antoine de Saint-Exupéry
Zusätzlich können dir folgende Tipps dabei unterstützen, um deine Intuition zu stärken:
1. Regelmäßig meditieren
Sollte du es nicht ohnehin schon machen, fange an regelmäßig zu meditieren. Dabei reicht es bereits, wenn du mit 3-10 Minuten beginnst. Ich persönlich finde die App Headspace dafür besonders angenehm (Herzensempfehlung, keine bezahlte Werbung).
Die Meditation unterstützt dich dabei deinen Geist zur Ruhe zu bringen. Oft denken wir so angestrengt über ein Problem nach, dass wir gar nicht zu unserer Intuition kommen. Gerade in solchen Situationen darf dir aber deine Intuition unterstützend zur Seite stehen und neue Inspiration bringen.
2. Spontan handeln
Vielleicht kennst du den Begriff Inspired action (inspirierte Handlung), den Drang aus einem inneren Impuls heraus etwas zu tun. Nachdem du eine Botschaft deiner Intuition empfangen hast, gilt es, diese nicht in Frage zu stellen, sondern danach zu handeln. Und zwar sofort! Denn wenn du zu lange wartest, wird sich dein Verstand einmischen und viele gute Gründe für oder gegen etwas finden.
Es müssen ja auch nicht gleich große Entscheidungen oder Handlungen sein, bei denen du dich von deiner Intution leiten lässt. Fang mit Kleinigkeiten an. Lerne deinen Impulsen zu vertrauen und diese umzusetzen.
3. Vertrauen lernen
Hier schließe ich bei dem vorigen Punkt an: Je öfter du spontan handelst und positive Erfahrungen machst, desto mehr gewinnst du Vertrauen in deine Intuition. Das Vertrauen in deine Intuition wächst also mit dem Tun. Fang mit kleinen Schritten an und sei stolz auf jeden kleinen Erfolg!
4. Entspanne Dich
Stress ist ein großer Feind der Intuition. Sind wir gestresst, schränkt sich unsere Wahrnehmung ein. Die Herausforderung ist, dass viele Menschen Stress gar nicht mehr wahrnehmen, weil das Gefühl zum Dauerzustand geworden ist. Willst du besser mit deiner Intuition in Kontakt kommen, nimm dir immer wieder Zeit, um dich zu entspannen – zB indem du ein warmes Bad nimmst, dir eine Tasse Tee gönnst und sie bewusst genießt oder du eine Entspannungsübung machst. Denn vielleicht hast du auch schon, wie ich, die Situation erlebt, dass dir unter der Dusche (ganz entspannt), die besten Ideen kommen. Danke liebe Intuition!
Ich wünsche dir viel Freude beim (Wieder-)Entdecken und Stärken deiner Intuition!